Kabel angebohrt: Was kann ich tun?

Es passiert schnell: Man bohrt nur ein kleines Loch in die Wand, um neue Möbel zu befestigen und dann hört man es knallen und das Licht geht aus. Ein Kabel wurde getroffen.
Wie gefährlich das ist und was Sie selbst zuhause tun können, wenn Sie das richtige Material und handwerkliche Geschick haben, erfahren Sie hier.

Warum ist das Licht aus oder nicht aus?

Wenn das Licht ausgeht oder ein Teil des Hauses nicht mehr mit Strom versorgt wird, dann ist eine Sicherung gefallen. Haben Sie ein Kabel angebohrt, zu erkennen am lauten Knall und möglicherweise Funken, ohne, dass eine Sicherung gefallen ist, dann sollten Sie die Sicherung eigenhändig rausmachen, um den Stromkreislauf zu stoppen und Gefahren zu vermeiden.

Was genau ist passiert, dass das Licht ausgeht, weil das Kabel getroffen wurde?
Ganz einfach. Eine haushaltsübliche Leitung in der Wand beinhaltet drei Adern, also drei dünne Kabel innerhalb des Dicken. Diese sind der Neutralleiter, eine Phase und der Schutzleiter. Dass diese Adern voneinander isoliert sind, hat den Grund, dass nicht über alle von Ihnen Strom laufen soll. Von der Phase aus kommt der Strom und soll zu Ihren Verbrauchern an der Steckdose gelangen. Da Strom nur funktioniert, wenn er einen Kreislauf bildet, läuft er nach den Verbrauchern zurück in die Steckdose und über den Nullleiter (Neutralleiter) zurück. Der Schutzleiter ist dazu da, dass bei einem Schaden der angeschlossenen Geräte, der Strom auch über ihn abfließen kann. Passiert dies, fällt jedoch der FI-Schutzschalter. Die Sicherung fällt, damit kein Strom mehr von der Phase zum Gerät kommt, und die Leitungen damit kaputt macht oder zu einem Brand führt wenn ein kaputtes Gerät weiter Strom bekommt.
Verbindet man die Phase und den Nullleiter bzw. den Schutzleiter direkt, kommt es zum Kurzschluss.
Dies geschieht auch wenn Sie ein Kabel anbohren. Beim Treffen der Leitung kann es nämlich sein, dass Sie damit eine direkte Verbindung zwischen der Phase und dem Schutzleiter bzw. Phase und Nullleiter bilden. Die Verbindung entsteht, wenn Sie mit dem metallischen Bohrer die Ummantelung der Adern zerstören und die freiliegenden Adern dann alle zusammen berühren. Strom wählt den kürzesten Weg und läuft deswegen nicht weiter zur Steckdose und über Geräte zurück, sondern in diesem Fall den kürzeren Weg über den Bohrer und dann den Schutzleiter und Nullleiter zurück. Da der Bohrer im Gegensatz zu den Haushaltsgeräten keinen Widerstand bildet, da er keinen Strom „verbraucht“, kommt es zum Kurzschluss.
Das Fallen der Sicherung verhindert weiteren Stromfluss. Also geht folglich auch vielleicht Ihr Licht aus.
Manchmal kann es sein, dass es zu Funken und kleinen Bränden am Kabel kommt, dadurch, dass Sie die Leitung anbohren. Fällt die Sicherung hier nicht, besteht hohe Brandgefahr für das ganze Haus.

Sofortmaßnahmen: Was kann ich selbst tun?

Haben Sie ein Kabel angebohrt, ist es wichtig sicherzustellen, dass kein Strom mehr durch die Leitung fließt. Sie sollten nachsehen, ob tatsächlich eine Sicherung gefallen ist, ist dies nicht der Fall, sollten Sie sicherheitshalber alle Sicherungen der umliegenden Räume ausmachen, da Sie nicht genau wissen können, welche Sicherung zu diesem Kabel gehört und auch der FI (Personenschutzschalter) sollte aus sein.
Wohnen Sie in einer Mietwohnung, sollten Sie Ihrem Vermieter Bescheid geben. Möglicherweise hat der Hausmeister eine ausreichende Kenntnis oder der Vermieter vermittelt Ihnen einen ihm vertrauten Elektriker.

Zahlt die Versicherung?

Bei Fällen, wie diesen, zahlt in einer Mietwohnung oder einem Mietshaus die Haftpflichtversicherung. Diese können jedoch bei fahrlässigem Handeln auch die Kostenübernahme verwehren, wenn Sie bspw. direkt um Steckdosen, Lichtschalter und anderen offensichtlichen Zuleitungen gebohrt haben. Der Vermieter muss diese Rechnung nicht zahlen, da er der Geschädigte ist, dem der Schaden an seinem Eigentum ersetzt bzw. behoben werden muss. In Einzelfällen übernimmt der Vermieter die Rechnung aus Kulanz dennoch.
Sollten Sie in einer Eigentumswohnung leben, so müssen Sie die Kosten in jeden Fall selbst tragen.

Was für Kosten kommen auf mich zu?

Die Reparatur eines angebohrten Kabels in der Wand ist nicht ganz einfach, wodurch die Kosten schnell sehr hoch werden können.
Je nach Aufwand, also Art der Wand und Leitung, kann es gut 2-3 Stunden dauernd bis der Schaden beseitigt wurde. Elektriker nehmen in der Regel eine Anfahrtspauschale und zusätzlich einen Stundensatz und die Materialkosten.
Sie sollten deshalb vorsichtig sein, welche Notfallservices Sie anrufen, da diese meistens sehr hohe Preise nehmen.
Statt dubiose Notfallservices anzurufen, deren Preise Sie sich nicht mal vorstellen können, könne Sie gerne uns beauftragen. Wir sind innerhalb kürzester Zeit bei Ihnen und unsere Preise stehen transparent auf unserer Seite.

Den Schaden selbst beseitigen

Wenn Sie handwerklich begabt sind und geeignetes Material zuhause haben, können Sie auf eigene Gefahr versuchen das angebohrte Kabel zu flicken. Wir übernehmen keine Haftung für Sach- oder Personenschäden beim Selbstversuch der Reparatur. Sie sollten sich bewusst sein, dass das Reparieren einer Leitung gefährlich und anspruchsvoll ist.

Benötigte Materialien

Haben Sie viel handwerkliche Erfahrung und möchten (auf eigener Verantwortung) das angebohrte Stromkabel selber reparieren, benötigen Sie dafür folgende Hilfsmittel:

Hammer und Meißel
Eine Unterputzdose
Lüsterklemmen/Wagoklemmen/Quetschverbindungen, 3-Fach
Stromprüfer/Duspol (Ein einpoliger Phasenprüfer ist nicht ausreichend)
Schlitz-Schraubendreher
Ggf. Quetschzange, wenn Sie Quetschverbindungen benutzen möchten
Putz
Spachtel
Schleifpapier
Je nach Umfang etwas Tapete und Kleister

Sicherheitsregeln

Etwa die Hälfte aller Unfälle beim Arbeiten mit Elektrizität, wird durch nicht-Beachten der Sicherheitsregeln verursacht.

Schalten Sie zunächst in Ihrem Stromkasten den Strom ab. Dies tun Sie indem Sie die zuständigen Sicherungen ausklicken oder rausdrehen. Zusätzlich machen Sie den FI-Schutzschalter aus.

Falls Sie nicht wissen, welche Sicherungen zuständig sind, sollten Sie auch hier einen Elektriker rufen, denn es besteht Lebensgefahr für Sie, wenn Sie die 230V Leitung in der Wand aus Versehen berühren!

Stellen Sie sicher, dass keiner in Ihrem Haushalt die Sicherung aus Versehen wieder einschaltet, während Sie am Arbeiten sind. Informieren Sie alle im Haushalt und hängen Sie einen auffälligen und gut lesbaren Zettel an den Sicherungskasten!

Mit einem Duspol stellen Sie nun fest, ob Sie tatsächlich die richtige Sicherung rausgenommen haben und keine Spannung mehr anliegt.
Sollten Sie dennoch eine Spannung messen, obwohl Sie den Strom abgeschaltet haben, dürfen Sie nicht einfach davon ausgehen, dass Ihr Messgerät kaputt ist. Überprüfen Sie erneut die Sicherungen oder rufen Sie einen Fachmann.
Einpolige Spannungsprüfer bieten hier keine zuverlässigen Ergebnisse.

Bei der Überprüfung ist zu beachten, dass zwischen Phase und Neutralleiter, sowie bei Phase und Schutzleiter Spannungsfreiheit (0V) herrscht.
Können Sie jedoch zwischen Phase und den anderen beiden Adern 230V messen, ist die Sicherung noch nicht ausgeschalten. Zwischen Nullleiter und Schutzleiter werden Sie in der Regel weder mit noch ohne eingeschalteter Sicherung Spannung messen. Falls doch, sollten Sie einen Elektriker rufen und vor allem auch dann, wenn Sie kein Messgerät besitzen.

Diese Regel gilt erst ab einer Spannung von 1000V, was Sie hoffentlich zuhause nicht haben, also auch nicht auf Sie zutrifft. Ein Privathaushalt sollte im Normalfall eine Spannung von 230V haben.
Zuerst muss geerdet werden, dann muss die Erde mit den kurzzuschließenden, aktiven Teilen verbunden werden.

Diese Regel ist für den Fall des angebohrten Kabels ebenso nicht relevant. Bei anderen elektrischen Arbeiten sollten Sie Formstücke und Gummitücher benutzen, um andere Geräte und Teile zu isolieren. Habe Sie eine Gummimatte zuhause, schadet es aber nicht diese zu benutzen, um beim Arbeiten auf ihr zu stehen und somit sich selbst nicht zu erden. Also um die Gefahr zu vermindern, dass der Strom über Sie abläuft, falls bei den vorangegangenen Sicherheitsmaßnahmen etwas schief gelaufen sein sollte.

Reparatur

Nun kommen wir zur eigentlichen Arbeit. Haben Sie nun alle Sicherheitsregeln befolgt und nochmal überprüft, können sie eigenverantwortlich mit dem Arbeiten beginnen.

Freilegen der Wand
Ist das Kabel tief in der Wand müssen Sie zunächst ein Loch freilegen, damit Sie rankommen.
Mit Hammer, Meißel und viel Fingerspitzengefühl können Sie nun anfangen in einem 10 bis 20cm Radius um die Bohrstelle herum nun die Wand freizulegen. Passen Sie hierbei auf, das Kabel nicht weiter zu beschädigen.

Schaden begutachten
Es ist wichtig, sich das Kabel genau anzuschauen, bevor Sie blind loslegen. Schauen sie, inwiefern es beschädigt ist.
Sind verschmorte Stellen zu sehen?
Ist das Kabel einmal durchbrochen oder nur leicht angekratzt?
Machen Sie am besten Fotos für ihre Versicherung oder Vermieter, um das Material erstattet zu bekommen, bzw. ihrem Vermieter darüber zu informieren, um was für einen Schaden es sich handelt.

Die kaputte Stelle flicken
Da durch das Anbohren die Adern verletzt worden sind und unter Umständen die Adern miteinander verbunden worden sind, müssen Sie zunächst an der Bruchstelle die Leitung einmal durchtrennen.
Dann entfernen Sie vorsichtig mit einem Messer, bzw. wenn Sie eines besitzen, mit einem Jukarimesser, die dicke Ummantelung außen. Nun haben Sie zwei Enden mit drei rausschauenden Adern. Entfernen Sie nach eigenem Ermessen kleine Stücke der Adern und des Kabels, die gebrochen oder verschmort sind. Aber passen Sie auf, dass Sie nicht zu viel abschneiden, ansonsten werden die Kabel zu kurz.
isolieren Sie daraufhin, ebenso mit dem Jukarimesser, die dünnen Adern ab.

In das Loch setzen Sie nun direkt hinter die Bruchstelle der Leitung eine Unterputzdose, sodass die Adern in der Unterputzdose liegen.
Ist die Unterputzdose fest installiert, nehmen Sie sich drei Steckklemmen oder auch Wagoklemmen zur Hand. Sie führen nun in eine Klemme jeweils dieselben Farben ein. Blau zu blau, braun zu braun, schwarz zu schwarz, grün-gelb zu grün-gelb, ….
Es ist sehr wichtig, dass es die richtigen Adern sind, die sie in den Klemmen zusammenführen, da ansonsten erneut ein Kurzschluss entsteht. Sind Sie sich nicht sicher, da die Farben uneindeutig sind, ziehen Sie einen Elektriker zu Rat.
Sie können statt Steckklemmen, aber auch Quetschverbindungen nehmen. Diese müssen auf die gleiche Dicke der Adern ausgelegt sein, da ansonsten die Adern zu locker verbunden sind und der Strom ausfallen, oder es sogar zum Brand kommen kann.
Stecken Sie auch hier die Adern der gleichen Farbe in eine Quetschverbindung und drücken Sie mit der Quetschzange fest zu.

Kontrollieren Sie zuletzt Ihre Verbindungen. Seien Sie sich sehr sicher, dass die Farben alle übereinstimmen und die Verbindungen fest sitzen, in dem Sie mit Gefühl an den Enden ziehen.

Am Ende machen Sie den Deckel auf die Unterputzdose, sodass das die neuen Verbindungen vom Putz im nächsten Schritt nicht beschädigt werden.

Wand in den ursprünglichen Zustand versetzen
Ist alles richtig zusammengesetzt und Sie haben überprüft, dass der Strom wieder normal fließen kann, schalten Sie die Sicherung nach dem Überprüfen wieder aus und fangen an, die Wand und das Loch zu verputzen.
Hierfür ist Putz gut geeignet, da er schnell trocknet und nicht zu feucht ist, im Gegensatz zu Gips, der viel zu feucht ist, um eine Wand zu schließen. Möchten Sie dennoch Gips benutzen besteht die Gefahr, dass die Feuchtigkeit die Leitung angreift und es zum erneuten Kurzschluss kommt, oder die Wand rundherum die Feuchtigkeit aufnimmt und schimmelt.

Die meisten Elektriker verputzen keine Wände, weshalb Sie dafür wahrscheinlich einen weiteren Handwerker benötigen.

Wie vermeide ich es neue Kabel anzubohren?

Wenn Sie den ungefähren Verlauf der Stromkabel bei Ihnen zuhause kennen und diese beim Bohren möglichst weitläufig umgehen, werden Sie kaum vor dem Problem einer angebohrten Leitung stehen. Stromkabel verlaufen meistens horizontal, etwa 25cm über dem Boden und in gleichem Abstand auch unterhalb der Zimmerdecke. Senkrecht befinden sich etwa 15cm neben Fenstern, Türen oder Zimmerecken Stromleitungen. In Küchen befindet sich in etwa 1,2m Höhe waagerecht eine gefährliche Zone, da dort oftmals Leitungen langlaufen. Dies sind jedoch nur allgemeine Angaben. Es ist nicht auszuschließen, dass sich weitere Stromkabel in der Wand befinden. Manchmal haben Vormieter vielleicht selbst Leitungen verlegt. Vor allem in Altbauten wurden die Leitungen oft genug selbst von Elektrikern nicht fachmännisch bzw. ohne Struktur gelegt.

Sicher gehen Sie mit einem Leitungssucher, welcher auf versteckte Stromkabel in den Wänden hinweist. Wenn Sie sehr viel alleine renovieren, ist das eine sehr intelligente Anschaffung, um Gefahren und Schäden zu vermeiden.